Bei Wikipedia.de lesen wir: »Das Musikinstrument Bandoneon, ursprünglich Bandonion, ist ein von Heinrich Band konstruiertes Handzuginstrument aus der Gruppe der Harmonikainstrumente, das aus der Konzertina entwickelt worden ist.«
Hier ist schon der erste Satz falsch. Das Bandonion (so sein ursprünglicher Name) gehört zur weitverzweigten Instrumentenfamilie der Concertinas. Heinrich Band war einer der grössten Musikalienhändler mit einem 1843 eröffneten Geschäft in Krefeld, der keine Concertinas produzierte, sondern sie bei anderen Herstellern Instrumente einkaufte bzw. sie in seinem Auftrag bauen liess, z.B. bei C.F. Uhlig in Chemnitz und C.F. Zimmermann in Carlsfeld. Nach 1855 benutzte er und seine Nachfolger den Namen Bandonion – der Name diente ab dann als Abgrenzung zu Instrumenten anderer Händler.
Ein so genanntes Bandonion ist also eine frühe Concertina von Zimmermann & Co bzw. dieser nachgebaut, an welche der Händler Heinrich Band ein ‘Bandonion‘-Schild anbringen liess. Im Laufe der Zeit wurden diese Concertinas im Tonumfang immer mehr erweitert, von 58 auf 142 Töne (das so genannte → Tango-Bandonion, eines der meistgebauten Modelle. Juan ›Pacho‹ Maglio soll einer der ersten Bandeonisten in Argentinien gewesen sein, der dieses im Tonumfang erweiterte Instrument spielte. (Wann genau dieses ›Tango-Bandonion‹ auf den Markt kam, ist nicht genau eruierbar. Eine Nachfrage bei Carsten Heveling für das früheste ihm bekannte Datum ergab 1917.)
Es gibt gleichtönige (gleicher Ton beim Ein- und Ausatmen, auch ‘chromatisch‘ genannt, spanisch ‘unisonor‘) und wechseltönige Bandoneons (verschiedene Töne beim Öffnen und Schliessen des Instruments). Eine weitere Schwierigkeit für die Musiker waren die vielen unterschiedlichen Griffsysteme der Konzertinas und Bandonions.
Ab 1924 folgte das wechseltönige Einheits-Bandonion mit 72 Tasten und 144 Tönen, was ein Versuch war, die verschiedenen Griffsysteme zu vereinheitlichen.
Dieser Vereinheitlichungsversuch schlug jedoch fehl.
Das Einheits-Bandonion war fest in der Volksmusik verwurzelt und wurde in Vereinen von Musikerngespielt, die oft keine klassische Musikausbildung genossen hatten, sondern von Autodidakten, die selten Noten lesen konnten. Notenspieler waren die Ausnahme und meistens Berufsmusiker.
Das Erlernen des schwierigen Instrumentes wurde durch das sogenannte ›Wäscheleinen-system‹ ermöglicht, bei dem die Tasten durchnummeriert wurden. Als weitere Erschwernis kommt hinzu, dass es verschiedene Griffsysteme gibt, also die Töne nicht durchgängig am gleichen Ort sind. Es gab Druckausgaben für das Carlsfelder-, Chemnitzer- und Rheinische Tastatursystem (was noch nicht alle sind, siehe → hier und hier).
https://bandonioninfo.de/de/solo,060.htm#6
Mindestens 686 Vereine und Orchester 1938
Ein Nachteil des Wäscheleinensystems ist, dass komplexe Kompositionen und Arrangements nicht notierbar sind. Das mag ein Grund für die vergleichsweise eingeschränkte musikalische Entwicklung der europäischen Bandoneon-Musik sein, die in der Volksmusik verwurzelt blieb.
Trotz der Schwierigkeiten beim Spielen soll es 1920 in Deutschland mehr Bandonionvereinigungen gegeben haben als Fussballvereine. Wie die Bilder, die das Instrumentarium der damaligen Bandonion-Kapellen zeigen (oft mit Schlagzeug, Glockenspiel, auch mit Trompeten), wurden wohl die verschiedensten Musikstile gespielt.
https://bandonioninfo.de/de/solo,vereine.htm#6
Mit der Zeit (etwa um 1900 oder davor) kam die Schreibweise Bandoneon auf, so, wie das Akkordion zum Akkordeon wurde. Der Begriff Bandonion wurde weiterhin verwendet.
Im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung des Vereinswesens und auch durch die im Krieg gerissenen Lücken verschwanden in Deutschland viele der Bandonionvereinigungen. Den Niedergang dem Krieg anzulasten, greift aber definitiv zu kurz. Um 1930 lief die Vermarktung des Akkordeons bereits auf Hochtouren, in deren Folge das Bandonion stark an Akzeptanz verlor. Neben der leichteren Erlern- und Spielbarkeit sorgte auch die Vermarktung der Firma Hohner für die rasante Verbreitung des Piano-Akkordeons. Es verkörperte gegenüber dem Bandonion Modernität... Die meisten Vereine waren mit ihrem Festhalten an der Griffschrift, den oft mangelnden musikalischen Kenntnissen und auch infolge ihrer Altersstruktur weder fähig noch willens sich für Neues zu öffnen. Sie verkörperten mit ihrem überwiegend aus der Kaiserzeit stammenden Spielgut keine Modernität.
Michael KI im Oktober 2026. Eine erste Fassung erschien im Juli 2020
– aus dem Wikipedia-Artikel: »Dennoch konnten in einem Hörtest des c’t-Magazins gewisse Musikstücke, selbst bei 256 kBit/s, von CD-Qualität unterschieden werden.« Interessant ist, dass Menschen mit “abnormen Gehör“ (z.B. mit Hörschäden) die Unterschiede deutlicher erkennen.
– Aus dem Buch von Manuel G. Weith »Zen oder Keine Kunst ein Motorrad zu warten« (2. Auflage 2024, xlibri-Verlag) Ein empfehlenswertes Buch mit vielen guten Gedanken, das sich grundsätzlich mit der Frage des naturwissenschaftlichen Materialismus und der Frage nach der wirklichen Qualität im Sinne von Güte und Niveau auseinandersetzt.
»Qualität ist für jeden erfahrbar. Qualität ist das, was das Leben erst lebenswert macht.« An anderer Stelle: »Die moderne Naturwissenschaft ist eine Wissenschaft der Zahlen. Ihre Grundlage ist das systematisch reproduzierbare Experiment und die ›Messbarkeit‹. Ihre Grundlage ist die Quantität – und damit der Verlust der Qualität. … Die Naturwissenschaft ist blind gegenüber Qualitäten. Die Vielfalt des Lebens wird in der Naturwissenschaft zu messbaren Grössen, zu Zahlen reduziert. … Jede ›Qualität‹ wird zu einer Zahl, jede Messung kann zu einem Zeigerausschlag umgewandelt werden. Der Zeigerausschlag kann von einem Blinden mit Hilfe des Tastsinns abgetastet werden. … die Qualität verschwindet mit der Mathematisierung der Objekte.«